Sonntag, 30. Juni 2013

LimeViews: Der bunte Schleier (Film)

OT: The Painted Veil
Regie: John Curran
Drehbuch: Ron Nyswaner
Musik: Alexandre Desplat
Produktion: Edward Norton
Naomi Watts
Sara Colleton
Jean-François Fonlupt
Bob Yari
ED: 20. Dezember 2006
Land: China, USA, Belgien, Kanada
Laufzeit: 120 min
Darsteller: Naomi Watts
Edward Norton
Liev Schreiber
Diana Rigg
Toby Jones
Anthony Wong
FSK: ab 12
Genre Drama/Romance
Die üblichen Gründe

Deutschland, ein Samstag, sonnig: mein bester Freund kann die Sonne nicht genießen, weil wir im Thalia rumlungern. Seit einer guten halben Stunde nerve ich ihn damit, dass ich, süchtig wie ich bin, das Regal mit den Filmen im Angebot durchwühle.
Ich kreische stumm verzückt auf, schnappe mir eine DVD und ziehe meinen Besten mit mir. Der arme Kerl, die Welt und meine Gesundheit in Frage stellend, weiß nicht, wie ihm geschieht. Während ich noch bezahle, drücke ich ihm meinen Einkauf zur näheren Begutachtung in die Hand.
"...okay? Ist das eine Romanze?", fragt er perplex ob der ungewohnten Mädchenhaftigkeit meines gewählten Genres.
"EDWARD NORTON.". Ich tippe wahllos auf die Hülle, irgendwo da, wo sich meiner Meinung nach ein Edward Norton befinden sollte.
"Aso".

Nur eine Romanverfilmung?


Darüber könnte William Somerset Maugham herzlich lachen. Der 1965 verstorbene britische Schriftsteller gehört nämlich zu den meistverfilmtesten Autoren der Welt. Sein 1925 erschienenes Werk Der bunte Schleier fungiert hier als bestes Beispiel-bis dato wurde die Geschichte drei Mal verfilmt; zum ersten Mal 1934 mit Greta Garbo und Herbert Marshall, dann 1957 mit Eleanor Parker und Bill Travers in den Hauptrollen.
Auch zu Lebzeiten war Maugham enorm erfolgreich, blieb sich selbst und seinem Können als Autor gegenüber aber immer kritisch. Oftmal ließ er Teile seiner Biographie in seine Erzählungen einfließen-wie der männliche Protagonist in Der bunte Schleier war Maugham bis zu seinem literarischen Durchbruch Arzt.

Der Weg ist das Ziel

Eine eher einseitige Ehe: er liebt sie,
sie ihn nicht.
1925: viel hatte sich Kitty Fane (Naomi Watts) von ihrer Ehe nicht erwartet, hatte sie den langweiligen Mikrobiologen Walter Fane (Edward Norton) doch nur geehelicht, um so weit wie möglich von ihrer Mutter und London wegzukommen. So weit nicht enttäuschend, denn bald residiert sie mit Walter in Shanghai und genießt sämtliche Privilegien, die ihr Mann ihr bieten kann. Der weiß nämlich, dass sie ihn nicht aus Zuneigung heraus geheiratet hat, ist aber fest entschlossen, dies zu ändern. Jedoch ist die verwöhnte Kitty weiter denn je davon entfernt, sich in Walter zu verlieben, und beginnt eine Affäre mit dem britischen Vizekonsul Charlie Townsend (Liev Schreiber), der ebenfalls verheiratet ist.
Walter kommt recht schnell hinter die Treulosigkeit seiner Ehefrau und fordert sie auf, mit ihm nach Mei-tan-fu zu reisen. In dem kleinen Dorf im tiefsten China ist die Cholera ausgebrochen, und ein Mikrobiologe mit den Fähigkeiten eines Arztes wird dort dringend gebraucht. Natürlich lehnt Kitty ab, die Reise dorthin gleiche einem Selbstmord. Als Walter sie mit seinem Wissen über den Ehebruch konfrontiert, denkt sie nicht an Reue: "Kann ein Mann eine Frau nicht glücklich machen, ist dies seine Schuld." (Autsch.).
Er droht mit der Scheidung seinerseits und macht ihr ein Angebot: sollte sie Townsend dazu bekommen, seine Frau zu verlassen, dürfe sie die Scheidung im Stillen einreichen.   

Walter Fane marschiert mit seiner Frau direkt in ihr beider
Grab.Zumindest ist Kitty fest davon überzeugt.


Beim Gespräch mit dem Liebhaber wird Kitty klar, dass Walter ihr dies nicht aus Gutherzigkeit vorgeschlagen hat; der Vizekonsul lässt sie schnell fallen, sie muss gedemütigt und mit gebrochenem Herzen ihren Ehemann auf seiner Reise quer durch China begleiten. Und der Betrogene hat es sich zur Aufgabe gemacht, die beschwerliche Reise für Kitty zum asiatischen Höllentrip umzugestalten.

Sein Hass ihr gegenüber ist nicht im Mindesten abgekühlt, als sie Mei-tan-fu erreichen. Während er sich in seine Arbeit stürzt und seine Frau gekonnt ignoriert, macht Kitty unter anderem Bekanntschaft mit ihrem einzig noch lebenden Nachbarn Waddington (Toby Jones) und der Mutter Oberin (Diana Rigg) des Klosters, in dem ihr Mann ab und an arbeitet. Nach und nach beginnt sie, die Folgen ihres Handels zu begreifen und ihren Betrug zu reflektieren.


Man kann sehr viel Spaß an Der bunte Schleier haben, wenn man sich nicht davon abschrecken lässt, dass man den Ausgang beinahe kennt. Ich meine, ihr habt das DVD-Cover ja gesehen- gibt es da noch irgendwelche Geheimnisse? Muss man sich die Frage stellen, ob unsere Protagonisten noch zueinander finden? Wohl kaum. Aber darin liegt auch nicht die Stärke der Geschichte. Diese wird oft mit Der englische Patient, einem Klassiker des Genres, verglichen. Für mich persönlich bildet Der bunte Schleier die Alternative: was wäre, wenn der Betrug entdeckt worden wäre? Und das Motiv des Betruges leuchtet der Film sehr gut aus. Auf beiden Seiten herrscht Enttäuschung, jede Partei hat sich ihr Leben ab der Hochzeit anders vorgestellt.
Das kleine Stück chinesische Politik, das mit hereingebracht wurde, ist nicht brillant inszeniert, addiert aber zu dem Grundton des Films viel hinzu. Auch hier muss man sich vorher bewusst machen, dass es keine Polit-Romanze ist.
 
Gibt es dieses Genre überhaupt? Haben wir für nächstes Jahr Der wahnwitzige Pianist zu erwarten, mit Angela Merkel und Vladimir Putin in den Hauptrollen?
Fragen über Fragen. Ich halte bei der Kinovorschau künftig die Augen offen.
 

Ein Mann bei der Arbeit: John Curran mal vor der Kamera.
Aber jedem, der eine ausgeprägte Liebe der chinesischen Landschaft empfindet, ist der Film noch einmal besonders ans Herz zu legen. Tatsächlich wurde alles (selbst die Szenen, die in London spielen sollten) in China gedreht. Wir bekommen immer wunderschöne Landschaften, fast im jeden Bild einen großartigen Hintergrund oder eine fantastische Gesamtkulisse. Noch dazu hat John Curran sich Gedanken über die Farbkomposition gemacht, was so manches Mal recht üppige Früchte trägt: hier sieht vieles noch fantastischer aus.

John Curran beweist hier, dass er für Regie ein echtes Gespür hat. Auch im Film Stone (2010, ebenfalls mit Edward Norton in der Hauptrolle), der von den meisten Kritikern verrissen wurde, lässt er ein gewisses Talent erahnen. Von Drehbüchern sollte er sich allerdings fernhalten. Nie, nie wieder möchte ich so etwas wie The Killer Inside Me sehen, Mr Curran!!
 
Die Kameraführung erweist sich als sehr solide. Ab und an sind sehr nette Shots dabei, vor allem, wenn die Landschaft eingebunden wird.
 
Auch die Musik ist durch und durch fantastisch. Hier erleben wir einen wahrhaft schaffenden Alexandre Desplat. Passt man sich im Trailer noch mit dem aus The Last Samurai entliehenen Stück Spectres in the Fog der asiatischen Kultur an, scheint Herr Desplat auch die britische Herkunft der Figuren nicht zu vergessen. Hervorzuheben ist vor allem River Waltz, zweifelsohne zum Höhepunkt des Films gespielt.
 
Man nehme...

Performances, die sich gegenseitig komplettieren: Naomi
Watts und Edward Norton mimen ihre Parts mit
herausragender Menschlichkeit.
Eine Romanze lebt natürlich von den beiden Hauptakteuren. Sind die nicht in Form, kann man auch mit den nettesten Landschaftsaufnahmen nichts mehr reißen. Brokeback Mountain lässt grüßen.
Aber natürlich ist hier klar: mit Naomi Watts und Edward Norton kann man nichts falsch machen.
 
An Frau Watts muss man zunächst großes Lob ausschütten, denn sie spielt Kitty Fane mit einer so gefestigten und doch lebendigen Art, dass es eine Wonne ist, ihr zuzuschauen. Und das ist das Wichtigste, denn Kitty ist immerhin unsere Protagonistin. Man sieht sie noch öfter als Walter, beinahe in jeder Szene, und sie ist kein Charakter, der Sympathien garantiert. Zu Anfang präsentiert sie eine derart selbstgefällige Arroganz, man möchte sie mit einem Pizzaschneider vierteilen.
Ich meine WIE *dramatisches Nach-Luft-ringen* kann man Edward Norton betrügen??
Spaß beiseite, die Gründe sieht man natürlich irgendwo, auch wenn Kitty selbst später reflektiert, dass Walter nicht die schlechteste Art von Ehemann ist.
Mal abgesehen davon dürfte die von Liev Schreiber und Watts dargestellte Affäre wohl der Anfang der Beziehung der beiden gewesen sein. Mutmaße ich jetzt mal. Und da die Liebesgeschichte zwischen diesen beiden Akteuren gut laufend und von zwei Kindern gekrönt ist, macht auch da das zugucken sehr viel Spaß.

Ihr Reviewer ist gerade lautlos in Ohnmacht gefallen.
Und Edward Norton ist... Edward Norton. Man könnte sich an dieser Stelle mit vielen reißerischen
Attributen über sein Können auslassen, aber nicht eines käme diesem Mann gleich. Die Figur des Walter Fane hält an sich einige ungewollte Slapstickeinlagen bereit, die Norton gekonnt umgeht und Walter wie einen sehr realen Charakter erscheinen lässt. Wird er von Kitty erst als seltsam angesehen, saß ich vor'm Fernseher und habe innerlich geweint, dass mir so ein Mann nie zuläuft.
Er schenkt ihr Blumen, Pralinen, überschüttet sie mit sehnsüchtigen Blicken und will ihr quasi die Welt zu Füßen legen. Formvollendet hält er um ihre Hand an, obwohl er sich bewusst ist, dass sie ihn nicht liebt.
Darauf zeigt sich die Qualität der Charaktere: sobald der Betrug aufgedeckt ist, verachtet er Kitty und sich selbst. Walter zeigt wahre Ekel-Qualitäten, während es Kitty immer schlechter und schlechter geht. Aber auch das genießt er nicht. Denn aufgehört, sie zu lieben, hat er auch nicht.
 
Im Nebencast ausdrücklich zu erwähnen ist außerdem Liev Schreiber, oben bereits genannt, als Kittys Affäre. zwar wirkt er im direkten Vergleich mit Norton und Watts recht blass, aber das täte wahrscheinlich jeder, insofern hat er das gut gemacht.
Das Glanzstück des Nebencast ist aber immer noch Toby Jones. Waddington an sich ist schon ein sehr netter, interessanter Nebencharacter, aber Toby Jones beweist einmal mehr, dass er einer von Großbrittaniens interessantesten Kleinrollendarstellern ist. Die Tatsache, dass er der einzig noch lebende Nachbar der Fanes ist, legt er mit so viel subtilem Witz dar, dass seine Auftritte im Film zur Erleichterung werden. Denn er ist der Problemlöser, der kleine Matchmaker im Hintergrund, der die Fäden zieht und die Fanes wieder in Richtung Eheleben schubst.
Daran ist aber auch die Figur von Diana Rigg, die Mutter Oberin, nicht ganz unbeteiligt. Sie gibt Kitty den ein oder anderen weisen Ratschlag auf den Weg und offenbart erstaunlich verständliche Details über das Leben als Nonne. Ein Jammer, dass Rigg hauptsächlich für Mit Schirm, Charme und Melone in Erinnerung bleiben wird- können tut sie noch einiges mehr.
 
Insgesamt liegt der Fokus des Films klar auf den Hauptdarstellern, aber auch die Nebendarsteller wissen zu überzeugen.

Kostenpunkt/ Bonusmaterial auf der DVD

Ich selbst habe den Film für etwa 5 Euro bei Thalia erstanden, auf Amazon ist er natürlich günstiger: knapp 1 Euro gebraucht und ab 2, 74 Euro neu.
Wir finden auf der DVD nicht wirklich so viel Zusatzmaterial. Ein paar Interviews mit Norton und Watts als Produzenten, dann die beiden als Schauspieler, eins mit Liev Schreiber, eins mit Toby Jones und eins mit Regisseur John Curran. Die sind aber alle nicht besonders lang und geben nur bedingt Einblicke in die Entstehung und Bedeutung des Films.

Hinzukommend noch der deutsche Trailer zum Film und Trailer von The Illusionist, Death Defying Acts und Filth & Wisdom.
Die beiden ersten Trailer werden ohnehin vor dem Menü abgespielt und, was für mich besonders ärgerlich ist, können zumindest auf dem Laptop nicht vorgespult werden. Was für mich besonders schmerzt, da The Illusionist der Film mit Edward Norton in der Hauptrolle ist, den ich am wenigsten mag. Wirklich am allerwenigsten. Wen es nun brennend interessiert, ein Kurzkommentar zu allen dreien:

The Illusionist (Sparte Magie): Muss man absolut nicht gesehen haben. Alle magischen Plotelemente fallen der eher mäßigen Romanze zum Opfer. Haltet euch an The Prestige.

Death Defying Acts (Sparte Magie, über Harry Houdini): weitesgehend unspektakulär. Mit Guy Pearce und Catherine Zeta-Jones. Kann man, muss man aber nicht. Haltet euch an The Prestige.

Filth & Wisom (ein Etwas aus Komödie, Musical, Drama und Romanze): Madonna führte Regie. Muss ich mehr sagen als haltet euch davon fern?
Haltet euch lieber an The Prestige.

So, wieder zum eigentlichen Thema...
Das Bonusmaterial ist recht solide, aber nichts so Spektakuläres. Vor allem die Interviews, da das einzige richtige Bonusmaterial, hätte ausgebaut werden können.

Fazit
 
 Der bunte Schleier ist ein Film, der seine Unbekanntheit eigentlich nicht verdient hat. Man bekommt zwar keine großen Überraschungen, aber wundervolle Bilder und eine recht kraftvolle Romanze mit erstklassigen Darstellern geliefert. Weiterhin erfolgt die Auseinandersetzung mit Schuld und Vergebung der Vorlage getreu glaubhaft und schnörkellos. Wichtig ist nur, dass man eher den Film an sich und die Reise, die er schildert genießt, als zu erwarten, dass etwas anderes passiert als das, was man mit einem Blick auf's Cover vermutet.
Oh, und bevor ich's vergesse: die Taschentücher nicht vergessen, Ladies. Glaubt mir, ihr werdet sie wirklich brauchen!!

Der bunte Schleier erhält 7,6 von 10 Owlpoints.

Mittwoch, 8. Mai 2013

LimeViews: Lawless (Film)

OT: Lawless
Regie: John Hillcoat
Drehbuch/ Musik: Nick Cave/ Warren Ellis
Produktion: Lucy Fisher
Douglas Wick
Michael Benaroya
Megan Ellison
ED: 19. Mai 2012 auf dem Cannes Film Festival
Land: USA
Laufzeit: 115 min
Darsteller: Shia La Beouf
Tom Hardy
Jason Clarke
Jessica Chastain
Guy Pearce
Gary Oldman
Mia Wasikowska
FSK: ab 16
Genre: Drama/ Crime
 
Die perfekten Filmelemente

Ich kann mein Glück zunächst gar nicht fassen, als ich das tägliche DVD-Kritik Video auf YouTube aufrufe:
Ein Film mit dem Drehbuch von Nick Cave, in dem es um drei kriminelle Brüder während der Prohibition geht. Es spielen mit: Tom Hardy, Jessica Chastain, Gary Oldman und Guy Pearce.
Wer mich kennt, der mutmaßt schon: für mich ein absolutes Traumsetting. Gleichzeitig werde ich kritisch; die wirkliche Hauptrolle wird von Shia LaBeouf gespielt, bei dem ich mir je nach Rolle eher verhaltene Begeisterung erlaube (Transformers, Mr LaBeouf-warum?). Zusätzlich lässt der Trailer durchblicken, dass es einen romantische Zusatzplot gibt-und gerade im Crime-Genre kann das schon mal schiefgehen.
Nichtsdestotrotz renne ich selbstredend sofort los und kaufe den Film. War immer noch günstiger als die Jubiläumsausgabe von Schindlers Liste...

Das feuchteste Land der Welt

Ein Schelm, wer böses bei diesem Titel denkt!
Da ich ja irgendwie nur Filme rezensiere, zu denen es auch eine Buchvorlage gibt, gibt es hier natürlich auch eine. Geschrieben von Matt Bondurant, seines Zeichens der Enkel des Protagonisten im Buch. Tatsächlich haben sich die Ereignisse im Film grob so zugetragen, in Franklin County gab es eine Fehde um schwarzgebrannten Schnaps und die Legende, die Bondurants, vor allem Forrest Bondurant, seien unsterblich. Der Titel bezieht sich eben wegen der Menge an Schwarzgebranntem auf Franklin County, und auch hier wird im Buch der Vergleich gezogen: wie war es damals mit dem Alkohol, was sagen die Anwohner heute?

Drei harte Hunde. Oder zumindest zwei und ein werdender.

1931, Franklin County, Virginia: die drei Bondurant-Brüder Howard (Jason Clarke, links), Forrest (Tom
Hardy, rechts) und Jack (Shia LaBeouf, mitte) halten sich mit schwarzgebranntem Schnaps über Wasser. Unterstützung erhalten sie dabei von ihrem Freund Cricket Pate (Dane DeHaan) und dem Dorfsheriff selbst, der sich für ein paar Kisten Alkohol leicht schmieren lässt. Zudem führen die Brüder als Fassade eine Tankstelle. Alles sieht sehr, sehr friedlich aus.
Zählt auf dem Land zu den kriminellen
Glanzlichtern: Floyd Banner.
Natürlich bleibt dem nicht so; denn während Jack in der Stadt Zeuge einer Schießerei, angezettelt von seinem und Crickets Idol Floyd Banner (Gary Oldman), wird, stellt Forrest die aus Chicago stammende Tänzerin Maggie Beauford (Jessica Chastain) ein. Und dann erscheint auch noch der schmierige Special Deputy Charlie Rakes (Guy Pearce) auf der Bildfläche, der versucht, die Schwarzbrennerei zu unterbinden und Forrest öffentlich den Kampf ansagt. Ganz schön viel Radau auf einmal in Franklin County, doch die Brüder lassen sich ungern einschüchtern, vor allem Forrest nicht, dessen Devise ja schließlich lautet:"Wir Bondurants gehen vor keinem auf die Knie.".
Während jedoch Howard und Forrest den Widerstand eher dezent geplant hatten, träumt Jack als
Jüngster von den ganz großen Geschäften, vom Glanz und Glamour des Gangsterdaseins. Daran ist die Tochter des lokalen Priesters, Bertha Minnix (Mia Wasikowska), wohl nicht ganz unschuldig, denn gerade in sie hat er sich mächtig verschossen (man will halt immer das, wofür man vom Vater des Mädchens umgebracht werden könnte, ne?).
Das schmeckt aber Rakes nicht wirklich gut, und so befinden sich sowohl die drei Bondurant-Brüder als auch jene, die ihnen nahe sind, mitten in der Schusslinie.
Lawless kann mit einem unglaublich starken Cast aufwarten. Mir war schon klar, dass die Story da nicht unbedingt würde mithalten können, und tatsächlich hält man sich auch hier besser, als ich vermutet hatte. Die Landschaftseinöde, in der sich die Handlung abspielt, bringt ein wenig frischen Wind ins Genre und ich hätte nie gedacht, dass eine Geschichte über Moonshiner-Schwarzbrenner-irgendeine Wirkung hat. Lassen wir aber mal außen vor, dass sich das ganze auf dem Land abspielt und es nicht um die ausgefeiltesten Gangsterbosse geht, bleibt eher wenig übrig. Uns werden Storystränge serviert, die wir allesamt schon irgendwo anders mal gesehen haben könnten. Was nicht zwangsläufig heißt, dass die Story schlecht ist, aber eine Revolution ist sie auch nicht. Das Augenmerk liegt, wie könnte es auch anders sein, auf Jack, dem Schisser unter den Brüdern. Für ihn ist diese Crime-gespickte Geschichte so etwas wie eine Coming of Age-Story, was auch wieder nicht ungewöhnlich ist, hier aber auch nicht sonderlich verrissen wird.
Zusammengefasst ist die Story okay, aber ich rate euch, nicht allzu viel Neues zu erwarten, wenn ihr so oder so schon Berge von Gangsterfilmen gesehen habt.

Regisseur John Hillcoat darf mit einer wunderschönen Kulisse arbeiten. So kommt die ein oder andere nett anzusehende Landschaftsaufnahme zustande. Auch einige Schnitte und Einstellungen wirken sehr schön gemacht und zeugen von Beobachtungsgabe und Sinn für Perspektive, allerdings schneidet Hillcoat auch in den ruhigen Szenen manchmal zu schnell. Es gab hier und da schöne Einstellungen, die ich gerne etwas länger gesehen hätte, die hier aber zu schnell der gängigen Actionschnittweise geopfert wurden. Ansonsten gibt sich die Regie sehr ordentlich und fokussiert.

Nich Cave und Warren Ellis produzieren zusammen einen ordentlichen Soundtrack. Das Main Theme, welches im Menü zu hören ist, kann man sich aus logischen Gründen leicht merken und ist, wie der Rest des Soundtracks, ganz im Country-Flair der 30-er gestaltet. Es finden sich viele durchaus nette Stücke und Gesangseinlagen, auch wenn der ganz große Wurf eines Alexandre Desplat oder Michael Nyman ausbleibt. Aber ich setze hier vielleicht mit diesen beiden Beispielen die Messlatte ein wenig übertrieben hoch.

Kenn' ich, kenn' ich... nicht so?

Auch was die Charaktere angeht, gibt sich Lawless in der Qualität durchwachsen. Der Reihe nach:


Shia LaBeouf gibt unseren Protagonisten Jack Bondurant, einen Charakter, den wir sicher schon
tausendmal gesehen haben: der Kleine, der Ambitionierte, den wir dabei begleiten, wie er ein 'richtiger Mann' wird. Solche Charaktere kotzen mich in der Regel recht schnell an, hier ist es nur vermindert anders. Wie oft haben wir es schon gesehen, dass der Charakter, den wir begleiten, meint, sich Knall auf Fall ins coole Geschäft stürzen zu müssen, ohne überhaupt eine Ahnung von irgendwas zu haben? Bei Jack ist das noch viel, viel schlimmer, denn er meint, es ausgerechnet viel besser als seine zwei Brüder zu wissen. Und über die lernen wir folgendes:
1. Howard hat den ersten Weltkrieg als einziger in seinem Trupp überlebt.
2. Forrest hat die spanische Grippe überlebt, im Gegensatz zu Mommy und Daddy Bondurant.
Und während Jack also im Film quasi kontinuierlich behauptet, seine Brüder wären die Landeier und er der geborene Geschäftsmann, müssen die beiden ständig seinen Arsch retten. Ständig.
Klar, gegen Ende wird er wie fast alle Charaktere dieser Art erträglicher, aber das hilft einem eher schlecht als recht über den Film. Zumindest mit ihm als Draht zur Handlung.
Seine Romanze mit Bertha schlägt sich da nicht viel besser, mich hat sie nämlich gleich gar nicht interessiert. Denn wer ist Bertha? Genau, die Tochter eines tief religiösen Mannes. Sie würdigt Jack zu Anfang kaum eines Blickes und ist ja sooo distanziert. Aber kann es sein, dass sie in ihrem tiefsten Innern vielleicht doch eine Rebellin ist, die Gefallen an dem jüngsten Bondurant findet?
Niiiemaaals.
Die Schuld daran ist aber nicht bei Shia LaBeouf oder Mia Wasikowska zu suchen, denn bei Ersterem muss ich aus reiner Fairness zugeben, dass er eine gute Performance abliefert. Selbiges gilt für Mia Wasikowska, wenngleich sie mir immer einen recht stillen Eindruck macht (in einer energetischen Rolle habe ich sie irgendwie noch nie gesehen...) und auch in Interviews leidlich anders wirkt, sodass ich mich frage, wie weit sie schauspielert.



Alles, was Jack und Bertha hätten sein sollen, verkörpern dann doch Forrest und Maggie. Mit Forrest haben wir nämlich einen Charakter, der sowohl interessant als auch cool ist und so was von perfekt in einen Landgangsterfilm passt. Für die einen ist er ein Hinterweltler, der zu viel Glauben in seine angebliche Unsterblichkeit steckt, für die anderen tatsächlich so etwas wie ein Heiland des illegalen Handels. Fest steht, dass er sowohl einen Schlagring an seiner Hand als auch wenige Worte im Mund hat. Ein nahezu verschüchtertes, dennoch gentlemanhaftes Verhalten gegenüber Frauen (ja, insbesondere Maggie) gibt diesem Charakter den nötigen Feinschliff. Aber warum funktioniert das zwischen ihm und Maggie gerade so gut?
Einfache Antwort: sie sind komplett gegensätzlich.
Maggie kommt aus der Stadt, war bis vor kurzem Tänzerin und geht sehr offen auf Menschen zu. In gewissen Momenten haftet ihr aber die selbe Ernsthaftigkeit wie Forrest an. Hinzukommend ist sie den ganzen Film über enorm well-dressed, natürlich viel zu farbenfroh für's Land, aber immer noch well-dressed. Mit Ausnahme von diesem Nicki-Stoffkleid auf dem Cover, das sieht furchtbar aus.
Was soll ich noch zu Tom Hardy und Jessica Chastain sagen? Ich würde mich wiederholen wie eine kaputte Schallplatte (mal wieder).
Beide sind großartig, weiter geht's.


Ein eindeutiges Opfer von der Schauspieler ist weniger bekannt als die anderen, für den werben wir weniger ist Jason Clarke. Howard Bondurant ist einer der Hauptcharaktere und Jason Clarke spielt mindestens mit Shia LaBeouf auf Augenhöhe. Wo ist sein Name auf dem Filmplakat? C'est vrai, ganz weit unten. Das zeigt sich leider auch irgendwie im Film, sein Charakter scheint weniger ausgefeilt, mehr Haudrauf als echte Persönlichkeit, wie es bei Forrest der Fall ist.
So kann ich nicht viel mehr sagen, als dass Howard nicht so nervig wie Jack, aber auch nicht so ausgearbeitet wie Forrest ist. Finde ich ehrlich gesagt ziemlich traurig, denn bei Howard gibt es hin und wieder sehr gute Ansätze in der Persönlichkeit, die aber nie wirklich weiter verfolgt werden. Hoffentlich bekommt Jason Clarke nach Zero Dark Thirty jede Menge gute Rollenangebote, damit wir das nächste Mal ein bisschen mehr von ihm sehen.

Man kann die Bondurant-Brüder unter dem 'Ehrenbruder' Cricket Pate abschließen, der genau wie Jack ein glühender Floyd Banner-Fanboy ist und den Bondurants bei so ziemlich allem mit Rat und Tat zur Seite steht. Wenn's im Film richtig zur Sache geht, ist Cricket zwar selten mit von der Partie, aber an sich kann man über den Charakter nichts schlechtes sagen. Irgendwie mag man ihn halt.
Allen Marvel-Fans würde ich raten, mir Dane DeHaan vorzumerken; der wird nämlich nächstes Jahr Harry Osborn in The Amazing Spiderman 2 verkörpern, und da sein Auftritt hier schon mal neugierig gemacht hat, kann man gespannt sein, wie er sich in dieser ehemals von James Franco eingenommenen Rolle schlägt.

Und wo er so schön daneben steht, werfen wir doch einen Blick auf Guy Pearce. Seht ihr, wie angetan Cricket von der Anwesenheit des Special Deputy Charlie Rakes ist? Ist aber auch ein Netter!
Man sieht es auf den ersten Blick, eher nicht. Oder, um präziser zu sein: dieser Charakter ist mit Sicherheit einer der widerlichsten Filmbösewichte des letzten Jahres. Ich habe ihn jede einzelne Sekunde gehasst, und das nicht, weil er ein schlecht geschriebener Charakter ist. Diese Figur liebt es, Unrechtes zu tun und dabei einen auf gerecht zu machen. Die Jagd nach Verbrechern macht ihm einen Heidenpaß, weil sie sein Ego bemäntelt. Seine verbalen und nonverbalen Duelle mit Forrest gehören zu den Sternstunden des Films, weil auf beiden Seiten der blanke Hass klar erkennbar ist. Schon von der ersten Sekunde an ist klar, dass er kein Freund der Bondurants wird, im Gegenteil-er versucht alles nur erdenkliche, um die ganze Bande zu Fall zu bringen. Egal, wie viele Leichen am Ende seinen Weg säumen.
Guy Pearce liefert hier ein sehr schönes Kontrastprogramm zu seinen Auftritten in Memento oder LA Confidential, denn wie zwiespältig seine Charaktere auch gewesen sein mögen, nur hier gibt er dieses Ekelpaket ohnegleichen.

An alle Gary Oldman-Fans muss ich appellieren: kauft Lawless nicht, weil er mitspielt. Natürlich spielt er wie immer fantastisch, aber seine Rolle ist sehr klein angelegt. Zwar wird mit ihm ordentlich für den Film geworben, aber von den 115 Minuten ist er vielleicht in 15 zu sehen. Mag vielleicht etwas für Hardcore-Oldman-Sammler sein, die jeden Film mit dem Mann haben müssen, aber man sollte sich klar gemacht haben, dass andere Darsteller den Film tragen.

Kostenpunkt/Bonusmaterial auf der DVD

Auf Amazon bekommt ihr Lawless derzeit neu ab 7, 95 Euro und gebraucht ab 3 Euro. Meine DVD ist zusätzlich in so einer widerlichen Aussenhülle aus Pappe verstaut, die a) vollkommen sinnlos ist, da sie exakt das gleiche Motiv wie die eigentliche DVD darstellt und b) jedes Mal nervig beim entpacken ist. mal abgesehen davon, dass sie jetzt schon an den Kanten frisselig wird und ich sowas hasse.
Wenn ihr solche 'Zusatzauschmückung' genauso wenig leiden könnt wie ich, solltet ihr sie vielleicht sicherheitshalber im Laden kaufen.
An Bonusmaterial wurde auch nicht gespart: wir bekommen neben Audiokommentaren von John Hillcoat und Matt Bondurant den Originaltrailer, kleine Infofilmchen zu dem heutigen Franklin County und der wahren Begebenheit, auf der der Film basiert, sowie ein paar entfallene Szenen.

Ich weiß, extrem Nonsens-aber ich
musste doch so lachen!
Fazit

Lawless ist eindeutig einer der guten Vertreter der Marke Crime aus den 2010-ern. Die Actionszenen wirken realistisch und gut gefilmt, die Optik ist manchmal sehr gut und das Setting wirkt stellenweise frisch und originell. Natürlich ist nach wie vor der Cast die größte Stärke, wobei man hier Tom Hardy, Jessica Chastain und Guy Pearce hervorheben muss.
Leider finden sich große Schwächen bei einigen Charakteren. Die Story ist nicht ganz so brandneu, wie sie präsentiert wird und vieles kommt einem doch bekannt vor.
Insgesamt empfehle ich Lawless bedingungslos an Action-, Crime- und Gangsterfilmfans weiter, doch vorsichtig sollten die Empfindlicheren unter uns sein: manche Szenen haben es durchaus in sich und sind schwer anzusehen.
Wobei... sensible Fans dieses Genres sind ja doch mehr Ausnahme als Regel.

Lawless erhält 6,8 von 10 Owlpoints.





Samstag, 20. April 2013

LimeViews: The Virgin Suicides (Film)

 
OT: The Virgin Suicides
Regie: Sofia Coppola
Produktion: Dan Halsted
Chris Hanley
Francis Ford Coppola
Julie Costanzo
ED: 19. Mai 1999 auf dem Cannes Film Festival
Land: USA
Laufzeit: 97 min.
Darsteller: Kirsten Dunst
James Woods
Kathleen Turner
Josh Hartnett
Jonathan Tucker
A.J. Cook
FSK: ab 12
Genre: Drama


Love. Sex. Death. Passion. Fear. Obsession.

The Virgin Suicides ist ein ganz spezieller Film. Er ist das Regiedebüt von Sofia Coppola, die später für ihre Arbeit zu Lost in Translation den Oscar erhalten sollte. Und damit wir jetzt schnell alle wissen, wo wir stehen: ich finde den Film nicht nur besser als Marie Antoinette, ich mag The Virgin Suicides auch lieber als Lost in Translation. Ja, als diesen preisgekrönten, hochgelobten Film.
Das hat eine Menge mit Reaktion und Erwartung zu tun. Denn während ich nach Lost in Translation 'nur' dachte, dass der Film seinen Ruf absolut verdient, war ich nach The Virgin Suicides geschockt. Mir ging nicht in den Kopf, wie bei einem Film so vieles zusammenpassen kann.
Meiner Freundin ging es da ganz ähnlich. Wir haben ihn, da ein mutmaßlicher Mädchenfilm, bei ihr angeschaut, komischerweise mit Hustenbonbons als Snack. Als dann der Abspann über den Bildschirm zu flimmern begann, drehte sie sich zu mir und meinte:"Das war ein richtiger Suburbia-Albtraum."
Und das trifft es auch ganz gut.

Inspirierende Zeilen

Jeffrey Eugenides wurde später für
seinen Roman Middlesex bekannt.
1993 erscheint der gleichnamige Roman von Jeffrey Eugenides, dessen Erzählweise Sofia Coppola weitesgehend treu bleibt. Das erste Kapitel des Buchs gewinnt 1991 breits den Aga Khan Prize for Fiction. Einige Jahre lebt Eugenides sogar in Berlin, heute ist er Professor für Creative Writing in Princeton, New Jersey. The Virgin Suicides wurde in 34 Sprachen übersetzt, man kann nun streiten, ob man die deutsche Übersetzung ("Die Selbstmord-Schwestern") für gelungen halten kann. Sofia Coppola stieß jedenfalls durch den Bassisten der Band Sonic Youth, der ihr The Virgin Suicides empfahl, auf das Werk und fällte wohl eine ihrer besten Entscheidungen: sie bat um die Verfilmungsrechte.
Und so sitzt ihr hier und hört mich über das Resultat palavern - Herzlichsten.

Sie waren zu fünft...
Durch Cecilia und ihr Tagebuch erhalten die Jungs
der Nachbarschaft einen intimen Einblick in die
Privatsphäreder Lisbon-Schwestern
Michigan in den 70er Jahren: die Familie Lisbon lebt in einem typischen Suburbia, der Vater ist Mathematik- und Physiklehrer an der örtlichen Schule, die Mutter Hausfrau.  Von den fünf Schwestern ist die mit 13 Jahren jüngste Schwester, Cecilia (Hanna R. Hall), die Erste, die einen Selbstmordversuch unternimmt und sich aus dem Blauen heraus in der Badewanne die Pulsadern aufschneidet. Von den Nachbarsjungen werden die Geschehnisse interessiert verfolgt, pflegen sie doch ein nahezu obsessives Verhältnis gegenüber den Lisbon-Schwestern. Neben Cecilia gibt es noch die vierzehnjährige Lux (Kirsten Dunst), die fünfzehnjährige Bonnie (Chelse Swain), die sechzehnjährige Mary (A.J. Cook) und die siebzehnjährige Therese (Leslie Hayman). Durch verschiedene Fügungen gelangt die kleine Gruppe in den Besitz von Cecilias Tagebuch, welches vom selbstdeklarierten Schriftdeuter Tim Weiner (Jonathan Tucker) entsprechend auseinandergenommen wird.

Der Psychologe von Cecilia empfieht den Eltern, dem Mädchen mehr Freiräume zuzusprechen. Daraufhin geben die Eltern eine Party für die Mädchen, zu der auch die Nachbarjungen eingeladen sind, von der Cecilia sich jedoch entschuldigt, um sich aus dem Fenster auf den eisernen Gartenzaun zu stürzen und selbst aufzuspießen. Von da an überwachen die Eltern, insbesondere Mutter Sarah, ihre Töchter noch intensiver. Das ist besonders ungünstig für Tochter Lux, bemüht sich doch Trip Fontaine (Josh Hartnett), der begehrteste Junge der Schule, um sie. Und obwohl Trip es mit seinen Absichten ernst meint, beginnen die Dinge für die Lisbons ernst zu werden...

Die Geschichte von The Virgin Suicides konzentriert sich auf die fünf Schwestern, die sich von Mädchen zu Frauen wandeln. Diese Entwicklung wird von den Nachbarjungen 'beobachtet'-streng genommen könnte man es auch Voyeurismus nennen. Der Erzähler ist einer dieser Jungs, man erfährt nicht genau, wer, aber er ist jetzt erwachsen und macht sich wie alle der Jungen immer noch Gedanken über die Geschichte der Lisbon-Schwestern.
Auch bekommt man in verschiedenen 'Interviews' die Meinung von ein paar Nachbarn und dem gealterten Trip serviert. Letzterer hat ordentlich an den Nachwirkungen der Liäson zwischen ihm und Lux zu knabbern. Niemand kann oder will so recht verstehen, wie es so weit mit den Lisbon-Schwestern kommen konnte, vor allem die Jungen nicht.

Und hier kommen wir zu der Sache, die The Virgin Suicides sehr ordentlich macht: glaubhafte Darstellungen der Jungen zu liefern, für die die Schwestern ein unlösbares Enigma bleiben, obwohl sie teilweise direkt gegenüber wohnen. Man merkt sich nicht die Namen aller Jungs, sie haben auch keine sonderlich interessanten Persönlichkeiten. Das Grundprinzip hierbei ist, dass sie alle schwer fasziniert von den Lisbon-Mädchen sind. Normalerweise eher eine Gefahrenquelle, kommt dabei aber keiner von ihnen besonders nervig oder dümmlich rüber-man hat das Gefühl, dass es sich hier einfach um ausgemachte Grünschnäbel handelt, die man selbst kennen könnte.

Die Schwestern selbst wirken weniger wie einzelne Charaktere, sondern wie eine strenge Entität, Menschen, die das selbe Schicksal teilen und die die selbe Art von Leben führen. Hier bilden Cecilia und Lux eine Ausnahme: Da mit Cecilia die Geschichte im Großen und Ganzen beginnt, bekommen wir von ihr einen recht guten Eindruck. Lux ist gewissermaßen die Rebellin unter den Schwestern und die Erste, die aus dem Würgegriff der Eltern zu entkommen versucht, weswegen sie ein wenig mehr Screentime als die anderen Schwestern bekommt.
Ach ja, wo wir bei den Eltern sind...
Auch ein sehr interessanter Aspekt von The Virgin Suicides. Weder Herr noch Frau Lisbon kommen übermäßig böse daher (sie vielleicht mehr als er), die Art, wie sie aufgewachsen sind, läuft anscheinend nur nicht konform mit der Art und Weise, wie ihre Töchter aufwachsen wollen.

Wie das Leben so spielt.

(einen Trailer zitieren, den ich weiter oben schon eingefügt habe - oh yeah.)
Nach dem Film machte ich mir unwillkürlich Überlegungen zum Genre und vor allen zur Zielgruppe. Dabei ist das Genre glasklar ein Drama, aber bei der Zielgruppe kommen wir zum interessanten Punkt: Teenager.

Leute in meinem Alter. Schwierige Wesen im Alter von 11 bis 19 Jahren, obwohl Menschen ja bekanntlich nie aufhören, schwierig zu sein.
Und was man Teenagern in den Neunzigern als Zielgruppe vorgesetzt hat, mag zwar immer noch anspruchsvoller sein als das, was wir heute geboten bekommen, aber seien wir ehrlich:
Ich mag Eiskalte Engel, aber die Geschichte ist zurechtgeschnitten, hat mit der Buchvorlage wenig gemein und befindet sich in einem Setting, das geradezu bestimmt ist, Jugendliche anzulocken.
Und ich liebe 10 Dinge, die ich an dir hasse, aber auch hier hat das Ganze mit Shakespeare nur noch wenig zu tun und arbeitet nach demselben Formular.
Und die beiden Beispiele nehme ich noch als gute Vertreter für die Marke Teenfilms produced in the 90s.

Bei The Virgin Suicides ist zunächst nicht einmal klar ersichtlich, dass es für Teenager gemacht ist. Weil es so wirkt, als wolle es mit einer schlauen Botschaft für Erwachsene daherkommen. Aber spätestens bei der Party, die für Cecilia gegeben wird, breitete sich in mir ein tiefes Gefühl des beharrlichen Unwohlseins aus: die Art von Gefühl, die ich als Durchschnittsjugendliche in ähnlichen Situationen auch empfinde.
Und wenn ein Film es schafft, dass ich fühle, was vorgeht und sich das ganze so in mich hineinbohrt, dass ich nichts davon vergessen kann, wurde auf alle Fälle vieles richtig gemacht.
Und diese schlaue Botschaft für Erwachsene, die ich die ganze Zeit erwarte, kommt auch nicht. Am Ende ist da eine eigene Ratlosigkeit. Ich dachte im ersten Moment, die Lösung läge klar auf der Hand und die ganzen Selbstmorde wären so einfach zu erklären, dennoch bleibt dem Zuschauer das Gefühl, dass es einfach nicht so einfach sein kann.


Prägend: Regisseurin Sofia Coppola versteht es, die
Geschichte in Szene zu setzen.
Aber der absolut größte Vorteil des Films liegt in der Optik. Man sieht schon im Trailer, dass das Ganze stilistisch nicht nur einzigartig, sondern unfassbar großartig ist. Im Review zu Marie Antoinette erwähnte ich ja, dass Sofia Coppola ihren eigenen Regiestil hat, der recht verträumt und feminin ausfällt - das kommt hier voll und ganz zur Geltung. Es geht ja schließlich um jugendliche Mädchen und wie Jungen ihre Welt wahrnehmen, und da passt dieser Stil nunmal wie die Faus auf's Auge.
Ganz besonders dieser Shot, im Trailer bei 0:06, der bläulich gestaltet ist... ach, verdammt, der ganze Film ist eine Augenweide. Man kann ja zu Coppolas Filmen unterschiedlichster Meinungen sein, aber jeder muss der Frau zugestehen, dass sie wahre optische Knüller fabriziert.


Von links nach rechts: Jonathan Tucker, Anthony DeSimone,
Noah Shebib und Lee Kagan.
Der Cast kommt nicht minder erstklassig daher. Natürlich liegt hier großes Augenmerk auf Kirsten Dunst, die anscheinend gerne mal mit Sofia Coppola zusammenarbeitet, und wie immer macht sie das grandios. So oder so empfinde ich Dunst als ein außergewöhnliches Talent (was ich bei Marie Antoinette mal prompt vergessen habe, zu erwähnen), das nicht immer gleich auf Spider Man bezogen werden sollte.
Ich bin ein Comicverfilmung-Abhängiger, aber Tobey McWeichspülerGuire als Peter Parker? Come on.
Zudem frage ich mich, welcher Idiot von Mann Frau Dunst unter die zehn hässlichsten Schauspielerinnen wählt. Scrollt mal hoch zum Filmplakat. Wenn das hässlich ist, muss Kim Jong-un wohl eine natürliche Schönheit sein.


Opfert guten Geschmack
für den 70's-Look:
Josh Hartnett als
Womanizer Trip Fontaine.
Zudem haben wir James Woods und Kathleen Turner als recht eigenwilliges Elternpaar, aber beide machen das super. Die Jungs spielen auch ganz und gar nicht schlecht, vor allem der immer geltende Bonuspunkt Jonathan Tucker. Ja, ich bin so objektiv wie sonstwas, aber ich bin nun mal ein Fan. Wir sind doch alle von irgend etwas Fans, und ich bin unter anderem eben einer von Jonathan Tucker.

Kudos gehen auch an Josh Hartnett. Ich meine, wer sich für einen Film so eine scheußliche Perücke aufsetzt, muss seinen Beruf lieben. Die Rolle an sich hat für ihn vielleicht nicht so viel Neues
eingebracht, was wir alle nicht schon mal von ihm gesehen haben. Der charmante Frauenheld eben.

Schauspielerisch bin ich von allen Lisbon-Schwestern sehr angetan, aber leider muss ich gleich unter dem Punkt Probleme des Films nochmal auf sie zurückkommen. Obwohl es an ihnen selbst tatsächlich nichts zu beanstanden gibt.

We are family

Meiner Meinung nach hat The Virgin Suicides nur ein einziges Problem.
Und das ist leider nicht wirklich klein.
Wie ich oben erwähnt habe, habe ich ein Problem mit den Lisbon-Schwestern. Fünf an der Zahl.
Von wie vielen kennen wirdie Persönlichkeit? Zwei. Lux, die etwas rebellische und draufgängerische, und Cecilia, etwas weltfremd und schreibt gerne.
Bonnie, Mary und Therese kann ich kein Stück auseinanderhalten. Wenn man das Buch gelesen hat (ja, habe ich nicht, schlagt mich tot), soll man dazu wohl in der sein. Mir ist durchaus bewusst, dass die Persönlichkeit von fünf Menschen schwer in knapp 100 Minuten zu quetschen ist, aber es wollte ja auch niemand eine ausgedehnte Charakterstudie. Ich wollte nur die Schlagwörter, die ich bei Cecilia und Lux bekommen habe. Wer von den Mädchen ist vielleicht dauernd am lernen, welche ist die Schüchternste, welche die Sportlichste?
Das sind so Sachen, die man ganz leicht hätte einbauen können. Ich hätte ein viel besseres Gefühl für jede von ihnen gehabt und hätte an dem Drama und der Schwermut, die sie umgibt, besser teilnehmen können.

Kostenpunkt/ Bonusmaterial auf der DVD

Momentan (20. April 2013) bekommt ihr die DVD auf Amazon für etwa 9 Euro, gebraucht so ab 2 Euro. Ich habe wieder eine gute Gebrauchtversion, denn die sind meistens in echt gutem Zustand und bei den ganzen Filmen, ohne die ich nicht leben kann, muss ich irgendwo sparen. Mal abgesehen davon finde ich es ziemlich interessant, mir vorzustellen, dass meine Film mal ein Leben vor mir bei jemand anderem hatten.
Hrrrm. Schluss mit den Psycho-Allüren und weiter im Text.
Ihr findet darauf kleine, niedliche Extras wie Ausschnitte der verschiedenen Songs vom Soundtrack und Bildchen vom Dreh. Insgesamt also nichts, was einen Kauf wirklich nötig macht, aber wenn ihr den Film bereits gesehen habt und gut fandet, sind das schon schicke Kleinigkeiten.



Eulen-sie starren dich an.
Du weißt es.
Fazit

The Virgin Suicides zeichnet sich als feinfühliges Drama mit Sinn für Tiefe und Ästhetik aus. Auch durch die für die Zielgruppe untypische Erzählweise macht den Film absolut sehenswert, wobei er natürlich seine größte Stärke in Aussehen, Darstellung der pseudoliberalen 70er und charmanten Darstellern hat. Hätte man von einigen von ihnen noch mehr gesehen, wäre dieser Film ohne Zweifel so perfekt wie  das Bild, das die Lisbons oberflächlich abgeben.

The Virgin Suicides erhält 9 von 10 Owlpoints.

Montag, 25. März 2013

LimeViews: Die Herzogin (Film)

OT: The Duchess
Regie: Saul Dibb
Produktion: Michael Kuhn, Gabrielle Tana
ED: 5. September 2008
Land: England, Frankreich, Italien
Laufzeit: 110 min
Darsteller: Keira Knightley
Ralph Fiennes
Hayley Atwell
Dominc Cooper
Charlotte Rampling
Musik: Rachel Portman
FSK: ab 12
Genre: Biopic, Historiendrama
 
 
Hach, dieses gesellschaftliche Korsett!

Leid. Liebe. Herzschmerz.
Ich hatte ja böse Vorahnungen, als ich diesen Samstag auf VOX die Vorschau für Die Herzogin gesehen habe; klar, ein Film mit Ralph Fiennes ist Pflichtprogramm, aber Keira Knightley?
Ja, ich geb's zu, Knightley ist nicht mein Ding. Anscheinend hat sie mit der Zeit Gefallen an Kostümdramen gefunden und wurde für diese Performance auch hoch gelobt. Ist das aus meiner Sicht trotz meiner kleinen Abneigung ihr gegenüber gerechtfertigt?
Eh...

Georgiana, Duchess of Devonshire

So vielsagend heißt die Buchvorlage, eine Biographie von Amanda Foreman, über eben jene Georgiana Cavendish. Eine Trendsetterin zu jener Zeit, kann man die Herzogin heute zu den Vorfahren von Lady Diana zählen. Die Persönlichkeiten weisen mitunter verblüffende Parallelen auf: unglückliche Ehe, Affären und ein hoher Status in der Gesellschaft. Georgiana hatte sich zudem, ungewöhnlich für eine Frau ihrer Zeit, der Politik verschrieben. Um beide wölbte sich nach und nach große Aufmerksamkeit. Diana taucht sogar in der Werbung zum Film auf, was Empörung bei den Kritikern hervorruft: Diana würde dazu benutzt, ein jüngeres Popcornpublikum zu dem Film zu locken, was an und für sich nicht nötig gewesen sei.

Eine Ehe zu dritt

 
"Liebt er mich?"
Zu Anfang noch recht blauäugig
erkennt Georgiana bald, dass ihr
Ehemann nicht hält, was das Etikett
verspricht.
Durch ein Arrangement ihrer Mutter, der Gräfin Spencer (Charlotte Rampling), wird die erst 17-jährige Georgiana (Keira Knightley) mit dem älteren William Cavendish (Ralph Fiennes) verheiratet. Dieser ist überaus vermögend und hat nur ein einziges Ziel: einen Sohn. Doch Georgiana schenkt ihm nur Töchter, muss sogar noch seine uneheliche Tochter aus einer seiner Affären mit einem Dienstmädchen großziehen. Dies soll nicht die einzige Demütigung bleiben, der Herzog scheint sich nur für seine Hunde zu interessieren und betrügt Georgiana unverhohlen und in aller Öffentlichkeit. Sie lenkt sich mit Glücksspiel und Politik (dafür interessiert William sich natürlich gar nicht) ab und lernt dabei den gutaussehenden Charley Grey (Dominic Cooper) kennen, einen aufstrebenden Jungpolitiker. Es knistert, aber Georgiana ist immer noch überzeugt, ihre Ehe retten zu können. Dies nimmt sie mit William auf einem Landanwesen in Angriff, natürlich immer noch inmitten anderer Prominenz. Das Ehepaar trifft bei dieser Gelegenheit Elizabeth Hervey (Hayley Atwell), die von ihrem Ehemann getrennt lebt und sofort mit Georgiana sympathisiert. 'Bess' und Georgiana werden Freundinnen, man teilt sich von nun an sogar das Anwesen, da Bess momentan ohne Bleibe ist. Doch nicht nur das, ihr Ex-Ehemann untersagt Bess den Kontakt zu ihren drei Söhnen. Sie fängt eine Affäre mit William an, was Georgiana erschüttert: "Was man für seine Kinder tut, kennt Grenzen!"
Ménage-a-trois: William, Georgiana
und Bess
"Nein, tut es nicht", meint Bess, und der Herzog ist nicht gewillt, sie einfach aus dem Anwesen zu werfen. Nicht nur das, er holt auch noch Bess' Söhne zu ihnen. Für Georgiana ist die Situation untragbar-ihre beste Freundin schläft mit ihrem Mann, der sich fortan mehr deren als ihren Kindern zuwendet. Sie weiß nicht, wie sie aus ihrer Situation entkommen soll, zumal ihr Gatte, da von Ralph Fiennes gespielt per se ein Arschloch, immer kühler und unberechenbarer wird. Wo ist die Ausflucht? Es gibt ja noch Charles Grey, den Jüngling, der 'Tag und Nacht an sie denkt'.

 
Meine Einwände lassen sich eigentlich ganz gut mit ein wenig Dialog und Ton zusammenfassen:
"Ihr habt mir das einzige genommen, das ich nur für mich hatte! Was für ein Mann seid Ihr nur??"
*dramatische Pause*
"Sie muss verschwinden. Sofort!!"
"Vergessen Sie nicht, in welcher Position Sie sind. Ich werde sie nicht wegschicken."
*entsetzte Orchestermusik*
Ich verstehe schon, wo Drama drauf steht, muss auch Drama drin sein. Nichts dagegen. Aber Die Herzogin übertreibt an manchen Stellen und ist an anderen Stellen ausgesprochen stereotyp. In solchen Fällen greift die Historiendrama-Liste: 
  • eine wunderhübsche junge Frau im opulenten Kostümchen, die sich von ihrer Ehe die Welt erhofft.
  • ein tyrannischer Ehemann, nein, ein wahrer Schuft, der sie immer und immer wieder auf grausamste Art hintergeht. Kühlschrank ist für diesen Typ von Charakter noch wohlwollend ausgedrückt.
  • die Heldin wird eigentlich so ziemlich von allem und jedem hintergangen
  • "Ich kann meine Kinder nicht im Stich lassen!" *Drama, Drama, Drama*
  • wir sehen der Heldin und ihrem Love Interest gefühlte zwei Stunden dabei zu, wie sie sich gegenseitig sehnsuchtsgetränkte Blicke zuwerfen, ehe sie dann doch gemeinsam auf dem blütenweißen Seidenlaken landen. Das berühmt-berüchtigte nicht vorhandene Waschmittel lässt grüßen.
  • 18. Jahrhundert ist gut, England ist perfekt!
Ihr seht schon, hinter all diese Punkte können wir ein wohlwollendes Check! setzen. Aber das könnte ich ja noch verschmerzen. Gut, es gibt genug Filme mit demselben Schema, aber die Verwendung dieses gängigen Klischees muss ja nicht gleich das Todesurteil sein. Was dem Film schlussendlich das Genick bricht, ist die historische Vorlage.


Sogar eine Szene am See konnte eingebaut werden.
Schwäne inklusive.
Damit meine ich nicht, dass die Dinge über und über verdreht wurden. Was im Film geschieht mag sich so zugetragen haben, aber wir müssen uns den Titel ansehen: Die Herzogin.
Es geht um Georgiana Cavendish.
Wenn man mit diesem Werk Interesse für die Person wecken wollte, hat das nicht geklappt. Ich war die ganze Zeit über gelangweilt von der Hauptfigur, obwohl sie ja so hochdramatisch aufgebauscht wurde. Aber wenn ich über diese Frau lese und erfahre, wie unglaublich wichtig und herausragend sie für ihre Zeit war, dann frage ich mich: habe ich das in diesem Film gesehen? Oder habe ich einer Frau 110 Minuten lang beim Jammern bzw. beim Zurückhalten vom Jammern zugesehen, gewürzt mit diesem bösen, bösen Ehemann und dem lieben, lieben Liebhaber.
Man bekommt komprimiert vielleicht zehn Minuten zu sehen, was sie so politisch gemacht hat. Das macht Georgiana nicht wirklich zu einem starken Charakter, da kann der Regisseur mir noch so oft ins Gesicht drücken wollen, wie ungeheuer selbstlos und verzweifelt sie ist.

Das alte Knightley-Problem

Ralph Fiennes liefert eine glaubhafte
Sympathy for the Devil-Performance trotz alberner Perücke
Und Keira Knightley... tja. Ich will mich hier nicht ausführlich darüber auslassen, was mir an ihr nicht zusagt und ich will auch nicht sagen, ihr Spiel wäre grässlich anzuschauen. Denn das ist es zweifellos nicht, und meine Einwände ihr gegenüber im Allgemeinen ist nicht mehr als persönliche Präferenz. Aber ich muss sagen, dass sie hier wirklich nicht so toll war. Und in Stolz und Vorurteil fand ich sie vergleichsweise ganz okay. Um ihr gegenüber fair zu bleiben, es mag auch ein wenig an der Charakterzeichnung liegen.

Was dem Film über die Runden und seine 110 Minuten hilft ist zweifellos Ralph Fiennes. Ja, schon klar, ich höre mich hier wie eine kaputte Schallplatte an, aber es ist nun einmal so: Fiennes ist ein großartiger Schauspieler, der genau weiß, wie er mit so einem Charakter umzugehen hat. Es ist ja nicht so, als ob er nicht ständig die Ekelrollen bekommt. Man kann sich nur ausmalen, was für ein Akt es sein muss, einer auf dem Papier so durch und durch widerwärtigen Persönlichkeit dieses Stück an Mitgefühl einzuhauchen. William Cavendish mag Dinge tun, die moralisch kaum vertretbar sind, aber es wäre gelogen, wenn ich sage, dass ich ihn am Ende gehasst hätte.

Was die Regie angeht, so kommt sie ein wenig uninspiriert daher, man kann aber auch nicht viel schlechtes sagen. Die Optik ist so ganz okay, was Kameraeinstellungen und sonstige Cinematic Devices angeht, so bekommen wir hier reine Zweckdienlichkeiten serviert. Keine Kamerafahrten, kein Drumherum, wodurch der Film herausstechen könnte.

 
Kostenpunkt

Auf Amazon erhaltet ihr Die Herzogin gebraucht für etwas mehr als drei Euro und neu ab etwas mehr als vier Euro, solltet ihr wider erwarten total scharf drauf sein, diesen Film zu sehen bzw. zu besitzen. Zu den Extras auf der DVD kann ich euch natürlich nichts sagen, ich besitze immerhin kein Exemplar und habe auch nicht vor, mir eines zuzulegen.

Fazit

Insgesamt ist Die Herzogin bei weitem kein Muss und hält leider nicht, was eine Auszeichnung bei den Acadamy Awards verspricht. Die Optik und filmischen Mittel sind solide, bei den Charakteren und der Form wird es schwach. Hat man alles schon mal irgendwo gesehen und kann man durchaus einmal gesehen haben, ich werde mir den Film aber nicht nochmal ansehen. Höchstens etwas für absolute Keira Knightley- und Historiendramenfans, die nach Abitte und Stolz und Vorurteil noch nicht genug bekommen konnten.

Die Herzogin erhält 4,8 von 10 Owlpoints.

Sonntag, 10. März 2013

LimeViews: Fight Club (Film)

OT: Fight Club
Regie: David Fincher
Produktion: Art Linson, Ceán Chaffin, Ross Grayson
ED: 15. Oktober 1999
Land: USA
Laufzeit: 133 min.
Darsteller: Edward Norton
Brad Pitt
Helena Bonham Carter
Meat Loaf
Jared Leto
FSK: ab 18 Jahren
Genre: Sozialdrama/Thriller

Die erste Regel des Fight Club ist...

niemand redet darüber, aber insgeheim liebt die ganze Welt Fight Club. So oder so ähnlich kommt es mir vor, als ich mir den Film zum 15. Geburtstag zusammen mit der Romanvorlage wünsche (ja, dazu gibt es einen Roman, der vorher da war, aber dazu später mehr). Meine Mutter scheut die enorm hohe Altersfreigabe nicht (danke, Mum!), also liegt die DVD pünktlich auf dem Tisch.
Von Edward Norton habe ich gehört, ihn aber noch nie spielen sehen. Und Brad Pitt... ist Brad Pitt. Der nimmt mal gute, mal schlechte Rollen an, aber überwiegend gute, um fair zu sein.
Was also hat man bei Fight Club zu erwarten?

Es ist das Jahr 1996

Chuck Palahniuks Roman Fight Club wird veröffentlicht.
Okay, hier denken sich jetzt die Meisten "WUT? Bedruckte Seiten gibt es dazu auch??"
Chuck Palahniuk und sein Werk
erhielten durch den Film viel
Aufmerksamkeit.
Und ob. Fight Club begann als eine kleine Kurzgeschichte, die der 1962 in Washington geborene Palahniuk niederschrieb, nachdem er mit einem blauen Auge zur Arbeit zurückgekehrt und von seinen Kollegen nicht darauf angesprochen worden war. Diese Kurzgeschichte ist heute Kapitel 6 des Romans, der insgesamt etwa 250 Seiten zählt und seinem Autor in den USA einen Kultstatus eingebracht hat. Anderswo in der Welt sind die Einflüsse (sei es durch Film oder Buch) ebenfalls nicht von der Hand zu weisen: Fight Clubs findet man an vielen Orten, wenn man nur gut genug sucht, heißt es. Wiederum heißt es auch, dass Palahniuk vieles aufgegriffen hat, was vorher einfach nur nicht bekannt war, wie Kellner, die uns in die Suppe urinieren. Ich wünsche im Übrigen viel Spaß beim nächsten Restaurantbesuch.

Ikea, Kämpfe und Seife
Der namentlich ungenannte Protagonist sieht sich von seinem
Leben angeödet.
Fight Club wird in einem Voice Over von unserem Hauptcharakter, einem typischen Yuppie, erzählt. Unzufrieden mit seinem Leben, seinem Job als Umherreisender einer großen, nicht genannten Automobilfirma und den ganzen Ikea-Möbeln in seiner Wohnung, wird er von Schlaflosigkeit geplagt, bis er sich seelische Erleichterung durch den Besuch von diversen Selbsthilfegruppen verschafft (Highlights sind hierbei Hodenkrebs und Hirnparasiten). So lernt er in der Hodenkrebsgruppe nicht nur gescheiterte Existenzen wie Bob  kennen, sondern auch eine Mit-Simulantin namens Marla Singer, durch die er wieder in alte Muster zu verfallen droht, sprich- er kann nicht weinen, wenn sie auch da ist. Weint er nicht, kann er nicht schlafen. Man löst das Problem demokratisch und reicht einander die Telefonnummer.
Generell ist das Leben des Erzählers dazu prädestiniert, flüchtige Bekanntschaften zu machen, muss er doch für seine Firma von Flughafen A zu Flughafen B reisen und die unerfreuliche Aufgabe übernehmen, zu berechnen, was teurer wäre: die stille Entschädigung der Opfer von Autounfällen, die seine Firma zu verschulden hat, oder ein Rückruf der defekten Teile. Mit dieser Geschichte erfreut er des öfteren Sitznachbarn im Flugzeug, aber einer ist anders als sie alle: Tyler Durden.
Tyler Durden stellt Seife im großen Stil her, ist aber auch sonst durchaus fleißig und hat ein paar illustre Nebenjobs. Auch von Tyler erhält der Erzähler eine Telefonnummer.

"Schlag mich, so fest du kannst."
Tylers ungewöhnliche Bitte ist der Startschuss für den
Fight Club.
Zuhause am trauten Ikea-Heim muss er feststellen, dass von seiner Wohnung außer Asche nicht viel mehr übrig ist-anscheinend hat ihm ein Leck im Gasherd die Scheinexistenz geraubt. Unentschlossen, wo er nun übernachten soll, hat er also zwei Telefonnummern in seiner Tasche.
Und nach ein wenig Haderei mit sich selbst entschließt er sich dazu, Tyler anzurufen und um ein Treffen zu bitten.
Dieses Treffen ufert in einem Gespräch über Konsum und Dasein sowie in einer Prügelei im Hinterhof einer Bar. Beiden wird klar, dass ein paar beherzte Schläge eine neue und unglaublich gute Art der Abreaktion ist, was unweigerlich zu einer Wohngemeinschaft und der Gründung des Fight Clubs führt: ein Ort, wo Männer, die tagsüber recht gewöhnlich und unbeachtet sind, richtig Dampf ablassen, indem sie den Körper des jeweils anderen um ein paar Narben erweitern.
Eine Zeit lang scheint es so, als würden der Erzähler und Tyler ein recht solides Gespann abgeben, aber bald mischt sich Marla Singer in das unstete Leben der zwei Mitbewohner ein und die Dinge laufen anders, als unser Protagonist sich das gedacht hat.

Fight Club bedient sich also dieser recht schrillen (und dabei doch ziemlich realen) Geschichte und tut gut daran, den Erzähler diesen Touch eines Normalos zu geben, der er eigentlich nicht sein will und der für den Zuschauer zumindest ein bisschen identifizierfähig ist. Hier wird nicht nur viel Arbeit in die Hauptcharaktere gesteckt, auch die Nebencharaktere wie Bob oder Angel Face, ein recht milchgesichtiges Mitglied des Fight Club, bleiben lange im Gedächtnis.
Wer hier tatsächlich harte, markige Kampfszenen und Blut en masse sucht, der wird auf gar keinen Fall enttäuscht werden; nicht umsonst ist das FSK auf ab 18 festgelegt. Aber auch jene von uns, die sich den intellektuellen Aspekten eines jeden Filmes gerne widmen, werden nicht enttäuscht: zwischen den ganzen blauen Augen und ausgeschlagenen Zähnen findet sich eine beißende Kritik an der Konsumgesellschaft, der Reduzierung moderner Individuen auf Statussymbole.
Regisseur David Fincher verpackt dieses Paket mit verschiedensten Kamerafahrten, Einblendungen von Ikea-Artikeln in Raumansichten und ein Farbspiel, das immer düster, aber auch immer atmosphärisch daherkommt.

Ein Cast so exklusiv wie ein Fight Club

Edward Norton als Der Erzähler.
Heute frage ich mich, wie zum Geier mir bis zu meinem 15. Lebensjahr ein Edward Norton entgehen konnte. Ein Schauspieler dieses Kalibers ist schwierig zu finden: wer American History X und Roter Drache gesehen hat weiß, wovon ich rede. Und Fight Club könnte keine bessere Einführung in das Wirken dieses Mannes auf der Leinwand sein: Norton gibt dem Erzähler genau das Richtige, um zu Anfang unauffällig, aber interessant genug zu sein, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers geschickt zu erlangen. Und dann liefert er sich zusammen mit Brad Pitt ein grandioses Spiel und scheut sich nicht, die hässlichsten Fratzen zu zeigen. Ich möchte übrigens anmerken, dass er ebenso wie Brad Pitt ein Hauptdarsteller und nicht wie erschreckend oft behauptet ein Nebendarsteller ist. Mal abgesehen davon, dass man sich mit Norton auch einen Mann mit einer angenehmen Erzählstimme im Original gesichert hat, wurde in der deutschen Synchro sein Standartvertoner gewählt. Wer also schon vorher in den Genuss einer Performance von Edward Norton gekommen ist, muss keine Angst vor einer seltsamen deutschen Sprechstimme haben.


Brad Pitt als Tyler Durden.
Für Brad Pitt ist Fight Club ein ganz klares Heimspiel: hier kann er zeigen, was er als Schauspieler wirklich drauf hat. Als Tyler Durden verkörpert er alles, was Männer sein wollen: gutaussehend, zäh, unabhängig, bei Frauen beliebt, charismatisch, irgendwie besonders und eine eigene Naturgewalt in sich selbst. Tyler schafft es schnell, eine Masse von Menschen von sich zu überzeugen. Pitt liefert uns die verrückten und ernsten Momente eines offensichtlich kranken Geistes, der sich fernab von Konsum und Norm bewegt. Es macht unglaublichen Spaß, Tyler beim agieren zuzusehen- und hören. die Figur ist sogar zu so einer Ikone erwachsen, dass es ganze Modelinien mit grellbunten Printshirts wie im Bild rechts und etliche Anträge auf Namensänderungen gab. Sowohl in dieser als auch in der Welt von Fight Club (die sich ähnlicher sind, als uns lieb ist) wären eben alle Männer gerne Tyler Durden. Vertont wird Brad Pitt wie immer von Tobias Meister, also müsst ihr euch auch hier an keine ungewöhnliche Synchronstimme gewöhnen.

 

Helena Bonham Carter als
Marla Singer
Helena Bonham Carter, bekannt vor allem für ihre Arbeit in Werken ihres Lebensgefährten Tim Burton, schafft zu diesen beiden Typen einen knalligen Gegenpart, der eher mit Worten als Fäusten Kämpfe austrägt. Oberflächlich eine verbrauchte Frau macht Marla Singer die Bekanntschaft des Erzählers, ist sie doch ebenso wie er eine Simulantin, die vortäuscht, bestimmte Krankheiten zu haben. Dass sie dabei auch in einer Hodenkrebs-Gruppe gelandet ist scheint ihr recht egal zu sein. Zwischen Marla und dem Erzähler sowie Tyler bahnt sich eine eigenartige Dreiecksbeziehung an, auf der wirklich nur genau so viel Fokus liegt wie nur eben nötig. Mit ihren Aussagen stößt Marla zwar des öfteren auf die Grenzen des guten Geschmacks, jedoch gelingt es Bonham Carter, ihr tatsächlich zwei Eigenschaften zu verleihen: Marla ist ebenso durchgedreht wie der Rest der Charaktere, wirkt aber im Vergleich zu dem Erzähler und Tyler nach und nach fast normal.

Meat Loaf als Robert
Paulson/ Bob
Doch auch beim Nebencast war Regisseur David Fincher nicht nachlässig und bietet uns vor allem zwei auffällige und herausragende Gesichter: Meat Loaf und Jared Leto, die beide als Rockmusiker ihr Geld verdienen. Während uns Meat Loafs Performance zu Anfang ein wenig belustigt oder betroffen macht (ich habe mir sagen lassen, die Reaktionen variieren), baut sich der Charakter zu jemandem auf, den wir wirklich als sympathisch empfinden. Bob ist an Hodenkrebs erkrankt, ergo mussten ihm beide Hoden entnommen werden. Als Nebenwirkung dieser OP wachsen ihm nun 'Weibertitten', wie der Erzähler es ausdrückt,was er in einer Selbsthilfegruppe zu verarbeiten sucht. Seine Biografie ist ein Mischmasch aus Stereotypen und uns Bekanntem. Ebenso wie Marla wird auch er in die Geschehnisse in und rund um den Fight Club hineingezogen.

Jared Leto als Angel Face
Weit weniger kann man zu Jared Letos Rolle Angel Face sagen. Der 30 Seconds to Mars-Sänger bekommt (der Buchvorlage entsprechend) nicht so viel zu tun wie in American Psycho oder Lord of War, erfüllt aber das allerwichtigste Kriterium für die Rolle: gutes Aussehen. Was seltsam klingt, ist tatsächlich das Markenzeichen von Angel Face: ein schönes Gesicht und ein beneidenswerter Körper. Besonders auffällig machen ihn zudem seine platinblonden Haare. Er ist eines der ersten Mitglieder des Fight Club und wandelt sich zu einem von Tylers Favoriten, was dem Erzähler ein wenig sauer aufstößt. Wie jedes andere Mitglied des Fight Club ist Angel Face Tyler treu ergeben und bereit, alles für ihn zu tun.

Der Cast von Fight Club mag nicht sonderlich ausladend sein, hat es aber in sich. Man sieht für die wenigen Charaktere, auf die sich die Geschichte konzentriert, wahnsinnig starke Darsteller in Rollen, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Du bist nicht dein Auto.
Die Mitglieder des Fight Club bejubeln Tylers Worte.
Der Zuschauer ebenso.
Neben einem strikten Regelwerk bekommen die Mitglieder des Fight Club auch ein paar sehr lässige und kultige Sätze zu hören-und hier ist ein wichtiger Bestandteil des Films: die Botschaft. Wollen wir nicht alle hören, was wir selbst über unsere Chefs und die Gesellschaft denken? Haben wir nicht auch manchmal Lust, alles um uns herum zum Teufel zu jagen und irgendwem die Fresse zu polieren? Natürlich. Und dafür haben wir hier unseren Antihelden, der all das ausspricht, was wir sowieso denken. Wer, wenn nicht Tyler Durden? Wir wollen Sprüche wie "Ihr habt Jobs, die ihr hasst, damit ihr Zeug kaufen könnt, das ihr nicht braucht." et cetera, die Liste zitierfähiger Sprüche ist lang. Und bei ihnen allen denke ich mir: sag' ich doch. Oder: endlich sagt das mal jemand!
Die ersten zwei Regeln des Fight Club
 (Man redet nicht darüber)
 können Fans weltweit runterleiern.

Ebenfalls bewundernswert sind die vielen kleinen Feinheiten, die die ganzen surrealen Ereignisse real erscheinen lassen. Ich treffe zwar nicht viele Menschen, die so schicke Klamotten wie Tyler haben (und wenn hätten sie die Sachen auch nicht mehr lange), aber sein Bademantel ist ungefähr so priceless wie die Einrichtung von Marlas Zimmer. Anspielungen auf Calvin Klein und Ikea reihen sich da prima ein und verdeutlichen schön, wovon wir uns abhängig machen und wo unsere Werte liegen.

Explosives Material
Männer, die die Welt brennen
sehen wollen-Tyler Durden ist
einer von ihnen, was nicht gerade
für Vorbildqualitäten spricht.
Oftmals wird an Fight Club kritisiert, dass die Gewaltdarstellung übertont und gefährdend sei. Das ist so ein Punkt, an dem ich nur ratlos mit den Schultern zucke und mich frage, was genau die Leute von einem Film namens Fight Club mit einer Freigabe ab 18 erwarten. Natürlich sind die Kampfszenen verstörend und teilweise abstoßend, aber je nach Interpretation ist es ein leichtes, die Gewalt zu rechtfertigen.
Ein größeres Problem sehe ich im Einfluss. Und damit meine ich nicht "schützt eure Kinder vor diesem Teufelswerk", denn Filme sind meiner Meinung nach zur graphischen Darstellung geschaffen worden und Filme haben auch das Recht, kritische Themen anzusprechen. Vielen ist es nicht klar, aber Fight Club kritisiert auch das Denken der Männer und ihre Bereitschaft, Tyler blind hinterherzulaufen. Hier ist es nun mal leider so wie in ein paar anderen Filmen, wie zum Beispiel das bereits oben genannte American History X oder A Clockwork Orange (den Protagonisten Alex seht ihr übrigens links im Bild-und wer jetzt fragt, wer das in der Mitte ist, wird ganz arg verhauen). All diese Filme richten sich in ihrer Aussage gegen ihr Thema, aber es gibt immer ein paar brillante Köpfe, die die Inhalte für bare Münze nehmen.
Die Frage ist nur, wie wir mit solchen Filmen umgehen.
Klar, wir können alle kreischen:"Das schlecht, das brutal, schädlich für die Jugend...!", aber wem bringt das bitte was?
Ich empfinde es als viel sinnvoller, wenn wir uns alle zusammenreißen und offen über Themen wie Anarchie und Rollen in dieser Gesellschaft reden, anstatt einfach zu sagen, Filme mit diesen Darstellungen seien schlecht. Insofern gibt es an Fight Club nichts wirklich anstößiges, sondern provokantes, allerhöchstens.

Kostenpunkt/ Bonusmaterial auf der DVD

Wie viel meine eigene DVD gekostet hat weiß ich nicht, ich habe sie ja schließlich geschenkt Amazon blättert ihr momentan 6,50 Euro für eine neue und etwa 6 Euro für eine gebrauchte Version hin.
bekommen, aber auf

Auf meiner Version finden sich ziemlich viele coole Extras: Audiokommentare von David Fincher, Edward Norton, Brad Pitt (die anscheinend alle wirklich sehr viel Spaß dabei hatten), Helena Bonham Carter, den Autoren und den Kreativdesignern. Es gibt eine interaktive Filmversion, bei der man an bestimmten Stellen auf ein Stück Seife klicken muss, um sich Alternativversionen der Szene anzusehen. Die Szenen sind dann ebenfalls unter 'nicht verwendete/ entfallene Szenen' nochmal seperat zu finden. Es gibt noch Trailer zu ein paar anderen Filmen und ein Wendecover, falls niemand mitkriegen soll, dass ihr einen Film ab 18 besitzt.

Bei der Aufmachung der DVD und der gesamten Ausstattung hat man sich anscheinend sehr viel Mühe gegeben. Dem Film ist anscheinend sehr zugute gekommen, dass er, obwohl er sich mit einem speziellen Thema befasst, von 20th Century Fox produziert wurde. Somit hatte man hier wohl noch ein paar Möglichkeiten im Budget, was man dem Film auch sonst ansieht.

Fazit
Fight Club ist auch nach zehn Jahren ein absolutes Muss und eines der besten Werke von Fincher. Der Film weist unglaublich viele witzige Feinheiten auf und befasst sich recht gelungen mit einem viel diskutiertem Thema. Jeder leidenschaftliche Sozialkritiker wird sich hier bestens bedient fühlen.
Wer allerdings graphische Gewalt nicht sehen kann, sollte sich von diesem Film eher fernhalten. Das FSK ist nicht umsonst so hoch, und ich rate von einem Umstieg auf die zurechtgeschnittene ab 16-Version ab.

Fight Club erhält 9,2 von 10 Owlpoints.