Leid. Liebe. Herzschmerz.
Ich hatte ja böse Vorahnungen, als ich diesen Samstag auf VOX die Vorschau für Die Herzogin gesehen habe; klar, ein Film mit Ralph Fiennes ist Pflichtprogramm, aber Keira Knightley?
Ja, ich geb's zu, Knightley ist nicht mein Ding. Anscheinend hat sie mit der Zeit Gefallen an Kostümdramen gefunden und wurde für diese Performance auch hoch gelobt. Ist das aus meiner Sicht trotz meiner kleinen Abneigung ihr gegenüber gerechtfertigt?
Eh...
So vielsagend heißt die Buchvorlage, eine Biographie von Amanda Foreman, über eben jene Georgiana Cavendish. Eine Trendsetterin zu jener Zeit, kann man die Herzogin heute zu den Vorfahren von Lady Diana zählen. Die Persönlichkeiten weisen mitunter verblüffende Parallelen auf: unglückliche Ehe, Affären und ein hoher Status in der Gesellschaft. Georgiana hatte sich zudem, ungewöhnlich für eine Frau ihrer Zeit, der Politik verschrieben. Um beide wölbte sich nach und nach große Aufmerksamkeit. Diana taucht sogar in der Werbung zum Film auf, was Empörung bei den Kritikern hervorruft: Diana würde dazu benutzt, ein jüngeres Popcornpublikum zu dem Film zu locken, was an und für sich nicht nötig gewesen sei.
Eine Ehe zu dritt
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| "Liebt er mich?" Zu Anfang noch recht blauäugig erkennt Georgiana bald, dass ihr Ehemann nicht hält, was das Etikett verspricht. |
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| Ménage-a-trois: William, Georgiana und Bess |
Meine Einwände lassen sich eigentlich ganz gut mit ein wenig Dialog und Ton zusammenfassen:
"Ihr habt mir das einzige genommen, das ich nur für mich hatte! Was für ein Mann seid Ihr nur??"
*dramatische Pause*
"Sie muss verschwinden. Sofort!!"
"Vergessen Sie nicht, in welcher Position Sie sind. Ich werde sie nicht wegschicken."
*entsetzte Orchestermusik*
Ich verstehe schon, wo Drama drauf steht, muss auch Drama drin sein. Nichts dagegen. Aber Die Herzogin übertreibt an manchen Stellen und ist an anderen Stellen ausgesprochen stereotyp. In solchen Fällen greift die Historiendrama-Liste:
- eine wunderhübsche junge Frau im opulenten Kostümchen, die sich von ihrer Ehe die Welt erhofft.
- ein tyrannischer Ehemann, nein, ein wahrer Schuft, der sie immer und immer wieder auf grausamste Art hintergeht. Kühlschrank ist für diesen Typ von Charakter noch wohlwollend ausgedrückt.
- die Heldin wird eigentlich so ziemlich von allem und jedem hintergangen
- "Ich kann meine Kinder nicht im Stich lassen!" *Drama, Drama, Drama*
- wir sehen der Heldin und ihrem Love Interest gefühlte zwei Stunden dabei zu, wie sie sich gegenseitig sehnsuchtsgetränkte Blicke zuwerfen, ehe sie dann doch gemeinsam auf dem blütenweißen Seidenlaken landen. Das berühmt-berüchtigte nicht vorhandene Waschmittel lässt grüßen.
- 18. Jahrhundert ist gut, England ist perfekt!
| Sogar eine Szene am See konnte eingebaut werden. Schwäne inklusive. |
Es geht um Georgiana Cavendish.
Wenn man mit diesem Werk Interesse für die Person wecken wollte, hat das nicht geklappt. Ich war die ganze Zeit über gelangweilt von der Hauptfigur, obwohl sie ja so hochdramatisch aufgebauscht wurde. Aber wenn ich über diese Frau lese und erfahre, wie unglaublich wichtig und herausragend sie für ihre Zeit war, dann frage ich mich: habe ich das in diesem Film gesehen? Oder habe ich einer Frau 110 Minuten lang beim Jammern bzw. beim Zurückhalten vom Jammern zugesehen, gewürzt mit diesem bösen, bösen Ehemann und dem lieben, lieben Liebhaber.
Man bekommt komprimiert vielleicht zehn Minuten zu sehen, was sie so politisch gemacht hat. Das macht Georgiana nicht wirklich zu einem starken Charakter, da kann der Regisseur mir noch so oft ins Gesicht drücken wollen, wie ungeheuer selbstlos und verzweifelt sie ist.
Das alte Knightley-Problem
| Ralph Fiennes liefert eine glaubhafte Sympathy for the Devil-Performance trotz alberner Perücke |
Was dem Film über die Runden und seine 110 Minuten hilft ist zweifellos Ralph Fiennes. Ja, schon klar, ich höre mich hier wie eine kaputte Schallplatte an, aber es ist nun einmal so: Fiennes ist ein großartiger Schauspieler, der genau weiß, wie er mit so einem Charakter umzugehen hat. Es ist ja nicht so, als ob er nicht ständig die Ekelrollen bekommt. Man kann sich nur ausmalen, was für ein Akt es sein muss, einer auf dem Papier so durch und durch widerwärtigen Persönlichkeit dieses Stück an Mitgefühl einzuhauchen. William Cavendish mag Dinge tun, die moralisch kaum vertretbar sind, aber es wäre gelogen, wenn ich sage, dass ich ihn am Ende gehasst hätte.
Was die Regie angeht, so kommt sie ein wenig uninspiriert daher, man kann aber auch nicht viel schlechtes sagen. Die Optik ist so ganz okay, was Kameraeinstellungen und sonstige Cinematic Devices angeht, so bekommen wir hier reine Zweckdienlichkeiten serviert. Keine Kamerafahrten, kein Drumherum, wodurch der Film herausstechen könnte.
Auf Amazon erhaltet ihr Die Herzogin gebraucht für etwas mehr als drei Euro und neu ab etwas mehr als vier Euro, solltet ihr wider erwarten total scharf drauf sein, diesen Film zu sehen bzw. zu besitzen. Zu den Extras auf der DVD kann ich euch natürlich nichts sagen, ich besitze immerhin kein Exemplar und habe auch nicht vor, mir eines zuzulegen.
FazitInsgesamt ist Die Herzogin bei weitem kein Muss und hält leider nicht, was eine Auszeichnung bei den Acadamy Awards verspricht. Die Optik und filmischen Mittel sind solide, bei den Charakteren und der Form wird es schwach. Hat man alles schon mal irgendwo gesehen und kann man durchaus einmal gesehen haben, ich werde mir den Film aber nicht nochmal ansehen. Höchstens etwas für absolute Keira Knightley- und Historiendramenfans, die nach Abitte und Stolz und Vorurteil noch nicht genug bekommen konnten.
Die Herzogin erhält 4,8 von 10 Owlpoints.


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